Reis-Rekord-Ernte durch biologischen Anbau

Foto: flickr/pete-anne

Ein indischer Kleinbauer erzielt mit ökologischem Anbau einen Weltrekord-Ertrag: 22,4 Tonnen Reis auf einem Hektar Land. Kleinbauer Sumant Kumar freut sich, einige westliche Wissenschaftler wettern dagegen.

 

Der Bundesstaat Bihar im Nordosten Indiens gilt als der ärmste des Landes. Dort kämpfen die Bauern täglich um ihr Überleben. Mittels einer in Fachkreisen umstrittenen Methode, der sogenannten SRI-Anbaumethode erwirtschafteten Reisbauern in ganz Bihar rekordverdächtige Erträge. Viele verdoppelten ihren Gewinn.

 

Die System of Rice Intensification (SRI)-Anbaumethode wurde 1983 von dem jesuitischen Mönch Henri de Laulanie in Madagaskar erstmals beschrieben. Norman Uphoff, der Leiter des International Institute for Food, Agriculture and Development der Cornell Universität verhalf die Methode zu etablieren und zu verbreiten. Indien unterstützt neben China und Indonesien diese Anbaumethode und konnte sie auch auf den Anbau von Zuckerrohr, Hirse und Weizen übertragen.

 

SRI-Anbaumethode : ein Lichtblick für den weltweiten Hunger

 

 

Bei der SRI-Methode pflanzt der Bauer weniger und in breiteren Abständen sein Getreide oder seine Reispflanzen. Er verwendet wenig Wasser, dafür reichlich organischen Dünger. Der Boden kann so besser atmen, die Wurzeln bekommen mehr Luft. Die Erfolge, die nun im Bihar mit dieser Methode erzielt wurden, gehen in Schlagzeilen um die Welt. Der Guardian berichtet, dass der Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stieglitz die Region im letzten Monat besucht hat. Als er die beeindruckenden Erntemengen sah, bezeichnete er die Bauern als die besseren Wissenschaftler.

 

Auch beim Landwirtschaftsministerium von Bihar ist man begeistert. „Die Bauern benutzen weniger Saat, weniger Wasser und weniger Chemikalien und bekommen mehr Ertrag, ohne mehr investiert zu haben. Das ist revolutionär“, sagt Dr Surendra Chaurassa. Die SRI-Methode ist ein Lichtblick für alle Entwicklungsländer, die von Hunger gezeichnet sind. Sie zeigt, dass Kleinbauern ohne teures Saatgut und Pestizide erfolgreich anbauen können. Das ist eine wichtige Erkenntnis, denn über die Hälfte der Hungernden sind Kleinbauern. Studien belegen, dass der weltweite Hunger nur mithilfe von Kleinbauern bekämpft werden kann.

 

Alle 8 Stunden begeht ein indischer Bauer Selbstmord

 

Foto: flickr/DanVoglesong

Dass die Erfolgsmeldungen aus der indischen Provinz Bihar einigen westlichen Firmen

„Bauschmerzen“ bereiten, war abzusehen. Solche Geschichten sind natürlich nichts für Monsanto, Syngenta und Co., die sich mit ihrem Saatgut, Düngemitteln und Pestiziden eine weltweite Vorherrschaft sichern wollen. So behaupten noch immer einige westliche Wissenschaftler wie auch Journalisten, dass nur mittels hochentwickelter Technologie und Agro-Monokulturen die Welt zu ernähren sei.

Achim Dobermann vom International Rice Research Institute meint zum Beispiel, dass die SRI-Methode viel zu aufwendig sei. Zudem hält er die Erfolgsgeschichten für PR-Gags von NGOs.

 

Bis heute haben über 200.000 indische Bauern seit der Liberalisierung des Marktes und dem Einmarsch von Monsanto in Indien Selbstmord begangen haben. Monsanto verkaufte den Kleinbauern ihr teures Saatgut und Düngemittel als „Wundermittel“. Doch gute Ernteerträge blieben aus, die Anbauflächen wurden durch die starken Chemikalien zerstört und die Schulden, vor allem Monsanto gegenüber wuchsen. So griffen viele Bauern in ihrer Verzweiflung und in ihrer Ohnmacht zu den Pestizid-Kanistern, tranken daraus und vergifteten sich mit dem, was ihnen ihren Ruin bescherte.

 

Der Agrarwissenschaftler Anil Verma bedauert gegenüber dem Guardian: „ Wenn irgendwelche Wissenschaftler oder eine Firma mit einer neuen Technologie ankommen würden, die einen Ertrags-Gewinn von 50 Prozent ohne Zusatzkosten garantieren würde, würden sie dafür den Nobelpreis bekommen. Wenn dies jetzt aber junge Bauern aus Bihar schaffen, bekommen sie gar nichts.“

 

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